Alleine wandern als Frau: So traust du dich endlich los

Eigentlich wäre heute perfektes Wanderwetter. Du hättest Zeit, die Wanderschuhe stehen bereit und auf Komoot hast du schon seit drei Wochen diese eine Tour gespeichert, die ziemlich nett aussieht. Blöderweise hat niemand Zeit. Oder Lust. Oder beides. Also doch Sofa?

Genau an diesem Punkt habe ich irgendwann angefangen, mich zu fragen, warum ich Dinge, auf die ich Lust habe, eigentlich davon abhängig mache, ob jemand anderes zufällig ebenfalls Lust darauf hat. Natürlich ist Wandern in Gesellschaft schön. Man kann quatschen, gemeinsam über völlig falsch eingeschätzte Höhenmeter fluchen und hat im Zweifelsfall jemanden dabei, der einem bestätigt, dass diese angeblich «moderate Steigung» eine bodenlose Frechheit ist. Aber wenn ich jedes Mal zuhause bleibe, sobald niemand mitkommt, schränke ich am Ende vor allem eine Person ein: mich selbst.

Trotzdem ist der Gedanke, alleine wandern zu gehen, gerade beim ersten Mal nicht ganz ohne. Wo gehe ich hin? Was ist, wenn ich mich verlaufe? Was ist, wenn ich umknicke? Ist alleine wandern als Frau überhaupt sicher? Und bin ich nach den ersten 300 Höhenmetern möglicherweise schon so erledigt, dass mich die Rega direkt am nächsten Wegweiser einsammeln darf?

Die gute Nachricht: Deine erste Solo-Wanderung muss keine alpine Heldentat werden. Im Gegenteil. Je unspektakulärer du anfängst, desto entspannter kannst du herausfinden, wie sich das Alleine-Unterwegssein für dich überhaupt anfühlt.

Warum alleine wandern erstaunlich schön sein kann

Das Offensichtliche zuerst: Du hast deine Ruhe. Und zwar richtige Ruhe, nicht diese «Ich sitze auf dem Sofa, während nebenbei der Fernseher läuft und ich alle drei Minuten aufs Handy schaue»-Ruhe.

Beim Wandern alleine bestimmst du dein Tempo selbst. Niemand läuft dir davon, niemand hängt dir keuchend hinterher und du kannst an einem Aussichtspunkt 20 Minuten sitzen bleiben, obwohl die Person neben dir nach ungefähr 90 Sekunden schon wieder unruhig mit den Wanderstöcken klappert. Du kannst fotografieren, einen Geocache suchen, einen Umweg machen oder mitten am Weg stehen bleiben, weil da gerade eine ausgesprochen hübsche Kuh herumsteht.

Gerade wenn dein Alltag sonst ziemlich voll ist, kann dieses Alleinsein draussen unglaublich angenehm sein. Es gibt nichts zu organisieren, niemanden zufriedenzustellen und keine unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Du läufst einfach. Und irgendwann wird der Kopf dabei erstaunlich leise.

Das heisst natürlich nicht, dass ab sofort jede Wanderung eine Solo-Wanderung sein sollte. Ich gehe genauso gerne mit anderen Menschen los. Aber es ist ein verdammt gutes Gefühl zu wissen, dass ein freier Samstag nicht automatisch ins Wasser fällt, nur weil gerade niemand Zeit hat.

Für den Anfang bitte nicht gleich die Eigernordwand

Wenn du noch nie alleine wandern warst, ist eine einfache Tour keine feige Tour, sondern eine ziemlich schlaue Idee. Du willst bei deiner ersten Solo-Wanderung schliesslich herausfinden, wie es dir damit geht und nicht gleichzeitig deine Grenzen in Navigation, Kondition und alpiner Erfahrung testen.

Ideal ist eine Strecke, die du vielleicht sogar schon kennst. Ansonsten suchst du dir einen gut markierten Wanderweg, der regelmässig begangen wird und technisch keine grossen Anforderungen stellt. Schau dabei nicht nur auf die Kilometer. Zehn Kilometer flach am See entlang sind etwas völlig anderes als zehn Kilometer mit 1’200 Höhenmetern, auch wenn die Zahl in der App erst einmal gleich aussieht.

Für den Anfang finde ich einen Rundweg besonders angenehm. Zwei bis drei Stunden Gehzeit reichen vollkommen, und noch besser ist es, wenn unterwegs Möglichkeiten bestehen, die Tour abzukürzen. So hast du immer einen Plan B, falls die Kondition doch nicht ganz so begeistert von deinem neuen Hobby ist wie dein Kopf.

Achte bei der Planung ausserdem darauf, wann es dunkel wird, wie du zum Ausgangspunkt und wieder zurückkommst und ob auf der Route Einkehrmöglichkeiten oder Ortschaften liegen. Gerade beim ersten Mal kann es beruhigend sein, nicht drei Stunden durch menschenleere Wildnis zu laufen.

Alleine wandern als Frau: Wie gefährlich ist das?

Die Frage kommt zwangsläufig auf und ich finde es wenig hilfreich, Frauen dann einfach zu erzählen, sie sollten sich keine Sorgen machen. Natürlich gibt es Risiken. Einige davon haben mit dem Alleinsein zu tun, andere schlicht mit dem Wandern selbst.

Du kannst stürzen, umknicken, dich verlaufen, das Wetter falsch einschätzen oder deine Kondition überschätzen. Deshalb sollte jemand wissen, wo du unterwegs bist. Ich würde vor dem Losgehen meine geplante Route verschicken und ungefähr sagen, wann ich zurück sein möchte. Ist die Wanderung beendet, gibt es kurz ein Lebenszeichen. Das kostet ungefähr 30 Sekunden und ist im Notfall sehr viel hilfreicher als «Sie wollte irgendwo in den Bergen wandern gehen».

Dazu kommt als Frau noch das Thema Begegnungen mit anderen Menschen. Ich möchte daraus weder ein Horrorszenario machen noch so tun, als gäbe es das Problem nicht. Wenn dir jemand oder eine Situation unterwegs unangenehm vorkommt, hör auf dein Bauchgefühl. Du bist einem fremden Menschen keine Höflichkeit schuldig, nur weil sich im Nachhinein möglicherweise herausgestellt hätte, dass überhaupt nichts war. Auf beliebten Wanderwegen sind normalerweise ohnehin andere Leute unterwegs, weshalb ich solche Strecken für die ersten Solo-Touren deutlich angenehmer finde als irgendeinen verlassenen Pfad im Nirgendwo.

Was du auf einer Solo-Wanderung dabeihaben solltest

Jetzt könnten wir natürlich eine Outdoor-Packliste erstellen, bei der du anschliessend einen 65-Liter-Rucksack brauchst, um drei Stunden spazieren zu gehen. Das wäre allerdings einigermassen bescheuert.

Für eine normale Tagestour reichen ein paar vernünftige Basics. Genügend Wasser und etwas zu essen gehören genauso dazu wie Sonnen- und Regenschutz. Auch wenn morgens strahlend blauer Himmel herrscht, lohnt sich ein Blick auf die Wetterprognose für den gesamten Tag und nicht nur für den Zeitpunkt, an dem du losläufst.

Mein Smartphone würde ich voll geladen mitnehmen und die geplante Route vorher offline speichern. Gerade dort, wo man die Navigation am dringendsten braucht, hält sich der Mobilfunkempfang bekanntlich gerne vornehm zurück. Eine kleine Powerbank wiegt kaum etwas und verhindert, dass aus 12 Prozent Restakku plötzlich ein unnötiges Abenteuer wird.

Ausserdem sinnvoll: ein kleines Erste-Hilfe-Set, Blasenpflaster, persönliche Medikamente, eine zusätzliche Kleidungsschicht und je nach Jahreszeit eine Stirnlampe. Letztere gehört zu diesen Dingen, die man jahrelang völlig unnötig durch die Gegend trägt und dann an genau einem Tag sehr froh ist, sie eingepackt zu haben.

Die INIU Mini Ultra Powerbank* darf auf keiner Wanderung fehlen. Sie ist ultraleicht, aber mindestens genauso ultra-leistungsfähig. Das USB-C-Schnelladekabel ist als praktische Schlaufe direkt an der Powerbank angebracht und geht so auf keinen Fall vergessen.

Gerade wenn du neue Wanderschuhe einweihst, solltest Du auf jeden Fall auch ein Set Blasenpflaster miteinpacken. Compeed ist hier die Pflastermarke meiner Wahl*, weil sie schnell und einfach Linderung verschaffen.

Die auslaufsichere Flasche von Super Sparrow* mit einem Liter Fassungsvermögen sorgt dafür, dass ich über den Tag genug Flüssigkeit zu mir nehme.

Bei Wanderschuhen hört der Spass ein bisschen auf

Für einen einfachen Waldweg brauchst du keine Bergstiefel, mit denen Reinhold Messner persönlich den Himalaya besteigen würde. Trotzdem sollten Schuhe zum Gelände passen, vernünftig sitzen und ausreichend Profil haben.

Noch wichtiger: Geh nicht mit brandneuen Wanderschuhen auf eine längere Tour. Schuhe haben die unangenehme Eigenschaft, im Laden zehn Minuten lang fantastisch zu sitzen und vier Kilometer später zu beschliessen, dass sie deine Fersen ab heute persönlich hassen.

Gute Wandersocken helfen ebenfalls erstaunlich viel gegen Reibung und Blasen. Ein Paar Blasenpflaster würde ich trotzdem einpacken. Sie wiegen praktisch nichts und gehören eindeutig in die Kategorie «lieber haben und nicht brauchen als brauchen und nicht haben».

Wanderschuhe probierst Du am besten direkt im Fachgeschäft an. Füsse sind verschieden, und ich kann hier sicher nicht für alle sprechen. Bei Wandersocken würde ich auf eine hohe Qualität und extra-Dicke an den entscheidenden Stellen (Fersen, unter den Zehen / Ballen) achten. Ich kann Euch die Wandersocken von Todo wärmstens empfehlen. Bei Wanderstöcken achte ich auf bequeme Griffe, aber auch darauf, dass ich sie gut im oder am Rucksack verstauen kann, sodass ich die Hände frei habe, sollte ich sie gerade nicht brauchen. Die Teleskop-Wanderstöcke aus federleichtem Carbon von BISINNA erfüllen alle Kriterien und sehen in den verschiedenen Farben auch echt hübsch aus.

Verlaufen ist weniger romantisch, als es in Filmen aussieht

Ich mag digitale Wanderkarten, aber ich verlasse mich nicht darauf, dass unterwegs jederzeit Internet verfügbar ist. Deshalb: Route vorher herunterladen. Und dann auch tatsächlich gelegentlich draufschauen.

Besonders bei Abzweigungen lohnt sich ein kurzer Kontrollblick. Zehn Sekunden überprüfen, ob man noch richtig läuft, sind wesentlich angenehmer als 40 Minuten später festzustellen, dass der kleine idyllische Weg leider in die komplett falsche Richtung geführt hat.

Schau dir die Tour schon zuhause grob an. Wo sind die grösseren Steigungen? Gibt es markante Wegpunkte? Wo könnte man abbrechen? Gibt es unterwegs eine Hütte, einen Bahnhof oder eine Bushaltestelle? Du brauchst keinen minutiösen Marschplan, aber ein bisschen Orientierung im Kopf macht die Sache deutlich entspannter.

Wenn die Kondition plötzlich anderer Meinung ist

Apps sind wunderbar darin, Wanderungen mit Begriffen wie «leicht», «mittelschwer» oder «für Familien geeignet» zu versehen. Leider kennt die App weder deine Beine noch deinen aktuellen Trainingszustand.

Wenn du merkst, dass die Tour heute zu viel ist, dreh um oder kürze sie ab. Das ist nicht besonders dramatisch. Der Berg wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch nächste Woche noch dort stehen.

Gerade alleine würde ich immer etwas Reserve einplanen. Wer sich bis zum Gipfel komplett abschiesst, hat nämlich ein kleines logistisches Problem: Man muss normalerweise noch wieder runter. Und bergab kann mit müden Beinen erstaunlich anstrengend werden.

Mit der Zeit lernst du ohnehin immer besser einzuschätzen, welche Distanzen und Höhenmeter für dich angenehm sind. Dann dürfen die Touren länger und anspruchsvoller werden.

Und was mache ich die ganze Zeit mit mir selbst?

Das ist fast die interessantere Frage.

Wir sind es mittlerweile ziemlich gewohnt, permanent beschallt zu werden. Podcast, Musik, Nachrichten, Social Media – irgendetwas läuft immer. Beim Wandern kannst du natürlich Kopfhörer mitnehmen, wobei ich draussen zumindest so hören möchte, was um mich herum passiert.

Probier aber ruhig einmal aus, eine Weile gar nichts anzumachen. Gerade im Wald gibt es überraschend viel zu hören, wenn nicht gerade ein Podcast über Serienmörder dagegen ankämpft.

Und wenn dir blosses Wandern zu langweilig ist, mach dein eigenes kleines Abenteuer daraus. Nimm die Kamera mit, verbinde die Route mit Geocaching, such dir einen Wasserfall oder Bergsee als Ziel oder pack etwas richtig Gutes für deine Pause ein. Ich finde, ein Essen mit Aussicht schmeckt sowieso ungefähr 37 Prozent besser als dasselbe Essen am Küchentisch. Diese Zahl ist selbstverständlich wissenschaftlich vollkommen unseriös.

Wenn dir die erste Wanderung alleine trotzdem noch zu gross vorkommt

Dann geh nicht wandern. Zumindest noch nicht. Geh erst einmal eine Stunde alleine spazieren. Beim nächsten Mal suchst du dir einen längeren Waldweg. Danach einen einfachen Wanderweg, den du bereits kennst. Es gibt keinen Grund, aus dem ersten Versuch eine Mutprobe zu machen.

Das Ziel ist schliesslich nicht, nachher sagen zu können, dass du trotz Todesangst alleine durch die Pampa gestapft bist. Es soll sich irgendwann gut anfühlen, alleine losziehen zu können.

Und genau darin liegt für mich der schönste Teil am Solo-Wandern: Es erweitert die Möglichkeiten. Plötzlich ist «Niemand hat Zeit» kein Grund mehr, etwas nicht zu machen.

Bevor du losgehst

Für die erste Wanderung würde ich deshalb ganz pragmatisch fünf Minuten investieren: Wetter prüfen, Route herunterladen, Wasser und Proviant einpacken, Akku laden und einer Person sagen, wo du unterwegs bist. Dann kannst du immer noch feststellen, dass du die Hälfte deiner Snacks bereits auf dem Parkplatz gegessen hast.

Mehr Zeremonie braucht es eigentlich nicht.

Denn alleine wandern zu gehen bedeutet nicht, dass du jetzt zur furchtlosen Outdoor-Abenteurerin mutieren musst. Es bedeutet zunächst einmal nur, dass du Lust auf einen schönen Tag draussen hattest und beschlossen hast, ihn dir nicht entgehen zu lassen, bloss weil gerade niemand mitkommt.

Und das finde ich eigentlich einen ziemlich guten Grund, die Wanderschuhe anzuziehen.

Checkliste für deine erste Wanderung alleine

Bevor du jetzt hochmotiviert die Wanderschuhe schnürst und feststellst, dass zwar drei verschiedene Snacks, aber kein Wasser im Rucksack gelandet sind, hier noch einmal das Wichtigste auf einen Blick. Für eine einfache Tagestour brauchst du keine halbe Outdoor-Abteilung im Gepäck – ein bisschen Vorbereitung sollte trotzdem sein.

Route & Planung

☐ Strecke passt zu meiner aktuellen Kondition und Erfahrung
☐ Distanz, Höhenmeter und Schwierigkeit geprüft
☐ Wetter für den gesamten Zeitraum der Wanderung gecheckt
☐ Genügend Zeit bis zum Eindunkeln eingeplant
☐ Route offline auf dem Smartphone gespeichert
☐ Möglichkeiten zum Abkürzen, Ein- oder Umkehren angeschaut
☐ An- und Rückreise geklärt

Im Rucksack

☐ Genügend Wasser
☐ Proviant plus kleiner Notfall-Snack
☐ Regen- und Sonnenschutz
☐ Zusätzliche Kleidungsschicht
☐ Kleines Erste-Hilfe-Set
☐ Blasenpflaster, besonders bei neuen Wanderschuhen zu empfehlen!
☐ evt. Persönliche Medikamente
☐ Powerbank* und Ladekabel
☐ Je nach Tour und Jahreszeit Stirnlampe

Bevor es losgeht
☐ Smartphone und Powerbank vollständig geladen
☐ Einer Vertrauensperson Route und ungefähre Rückkehrzeit geschickt
☐ Wanderschuhe und Ausrüstung sitzen bequem
☐ Ich fühle mich mit der geplanten Tour wohl

Und dann fehlt eigentlich nur noch das Wichtigste: losgehen. Du wirst ziemlich schnell merken, welche Dinge du persönlich zusätzlich gerne dabeihast und was du jedes Mal völlig unnötig spazieren trägst. Die perfekte Packliste entsteht ohnehin erst mit der Zeit – und spätestens nach der ersten Wanderung, auf der du genau das vergessen hast, was du unterwegs dringend gebraucht hättest.

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